Ende des Jahres 2007 hat Deutschland beschlossen,
die Waldbewirtschaftung nach Art. 3.4
des Kyoto-Protokolls zur Anrechnung der Emissionsreduktionsziele in der ersten Verpflichtungsperiode (2008 bis 2012) einzubeziehen. Die Höhe der Veränderung des Kohlenstoffspeichers im Wald geht somit in die Berechnung ein. Dies bedeutet gesamtstaatlich einen Anreiz, den bestehenden Holzvorrat bzw. Kohlenstoffspeicher
im Wald zu erhalten und weiter zu erhöhen. Anderenfalls wären die Kohlenstoffverluste
durch Vorratsabbau durch Emissionseinsparung in anderen Sektoren zu erbringen. Allerdings ist die Senkenwirkung
von Wäldern nicht unerschöpflich. So zeigen Untersuchungen, dass selbst nach einer anfänglichen Zunahme der Kohlenstoffspeicherung
im Wald durch Erhöhung des Holzvorrates die Netto-Aufnahme von Kohlenstoff in Deutschland langfristig abnimmt. Dies ergibt
sich im Wesentlichen aus der Überalterung
der Bestände, verbunden mit höherer Gefährdung durch extreme Wetterereignisse
(Stürme, Trockenheit) oder andere Kalamitäten (Feuer, Borkenkäfer).
Die derzeit auf den Wald beschränkte Anrechenbarkeit
von Kohlenstoffspeicherung ist also auch aus klimapolitischer Sicht eine Sackgasse. Ein Ausweg wäre die Einbeziehung
der Holzprodukte. Damit ließe sich der Beitrag des Forst- und Holzsektors zum Klimaschutz maximieren: einerseits hohe Holzzuwächse und damit hohe CO2-Entnahme
aus der Atmosphäre, und andererseits Erhöhung der Produktspeicher und verzögerte
Freisetzung nach Ablauf der Nutzungsdauern
der Produkte. Werden zudem bei dieser Freisetzung fossile Energieträger durch Substitution ersetzt, erhöht sich der Klima schonende Effekt der Nutzung von Holzprodukten um ein Wesentliches.
Während der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls von 2008 bis 2012 wird bei der Berechnung der nationalen CO2-Emissionen der Einfachheit halber angenommen, dass aller Kohlenstoff, der in Form von Holz oder anderer Biomasse aus Wäldern entnommen wird, auch im Jahr der Entnahme wieder in die Atmosphäre gelangt. Holzprodukte werden also nicht berücksichtigt. Damit wird unterstellt, dass der Kohlenstoffspeicher in Holzprodukten in den betrachteten Ländern nicht anwächst. Schätzungen in zahlreichen Studien gehen jedoch von einer weltweiten Zunahme des jährlichen Kohlenstoff-Pools zwischen 29 und 139 Mio t C aus.
Vor diesem Hintergrund wird über eine mögliche Einbeziehung von Holz und Holzprodukten zur Erreichung der nationalen Ziele zur Emissionsreduktion im Rahmen eines zukünftigen Klimaschutzregimes nach 2012 (post-Kyoto-Protokoll) zu entscheiden sein, weshalb das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) das Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei mit der Durchführung einer Studie zu diesem Thema beauftragt hat. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen der Erarbeitung einer nationalen Verhandlungsposition im politischen Prozess dienen.